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Anatomie & Physiologie
[Sprechvorgang | Einflussfaktoren
| Exkurs]
Das Sprechen ist ein sehr komplexer Vorgang, der aus drei Teilbereichen
besteht:
Stimmgebung = Phonation
Lautbildung = Artikulation
Atmung = Respiration
Diese drei Vorgänge laufen parallel ab. Dabei sind Muskelgruppen
des ganzen Körpers beteiligt. Die zentrale Steuerung und Koordination
dieser Vorgänge übernimmt das Gehirn.
Stimmgebung
Die Stimme wird im Kehlkopf
erzeugt. Dieser befindet sich am oberen Ende der Luftröhre und dient
sowohl zur Sicherung der unteren Luftwege vor Fremdkörpern (Flüssigkeiten,
Speisen, Speichel) als auch zur Stimmgebung.
Innerhalb des Kehlkopfes befinden sich zwei
mit Schleimhaut umkleidete Gewebelappen, die Stimmlippen, in denen feine
Muskelstränge verlaufen. Sie werden im Volksmund auch Stimmbänder
genannt.
Bei der Atmung sind die Stimmlippen
geöffnet, so dass die Luft ungehindert ein- und ausströmen kann.
Bei der Stimmgebung werden sie jedoch geschlossen. Durch die Kontraktion
von Muskelgruppen, die an den Stellknorpeln befestigt sind, schließt
und öffnet sich die Stimmritze.
Bevor Stimme erzeugt wird, muss zunächst eingeatmet werden. Nach
der Einatmung wird die Stimmritze geschlossen. Die
Stimmgebung erfolgt mit Hilfe des Ausatemstroms. Dabei werden die aneinanderliegenden
Stimmlippen durch die Atemluft, die aus der Lunge strömt in Schwingung
versetzt. Es entsteht der primäre Kehlkopfklang, der nun in den Räumen
oberhalb der Stimmlippen, dem Ansatzrohr,
verstärkt und geformt wird.

Die Stimmlippen schwingen etwa 100- bis 1000mal
pro Sekunde gegeneinander. Je schneller die Schwingung, desto höher
ist der Ton.
Wenn Sie sich reale Stimmlippenschwingungen einmal anschauen möchten,
dann klicken sie hier.
Lautbildung
Der primäre Kehlkopfklang wird durch Bewegungen der Zunge
und des Mundes zu Sprachlauten geformt. Zudem wird er im Ansatzrohr
- alle lufthaltigen Räume oberhalb der Stimmritze (Mund-, Nasen-,
Rachenräume) - verstärkt und gefiltert. Durch die Nutzung dieser
Räume erhält die Stimme ihren persönlichen Klang und ihre
Fülle, das sog. Timbre. Dieses ist zusätzlich abhängig
von den individuellen anatomischen Gegebenheiten einer Person.
Nicht nur das Ansatzrohr dient als sog. Resonator, sondern auch die umliegende
Muskulatur und Knochen können in Schwingungen versetzt werden. Dabei
wirkt der Körper wie ein Verstärker. Je besser ein Ton verstärkt
wird, desto lauter und fülliger hört er sich an. Dabei wird
eine gute Schwingungsfähigkeit des Körpers durch eine lockere
Muskelspannung erzielt.
Zudem ist die Weite der Kieferöffnung ein wichtiger Faktor für
die Tragfähigkeit der Stimme. So wird eine Person, die sich ‘etwas
in den Bart nuschelt’ eben schlecht verstanden. Sie benötigt
mehr Stimmkraft, um überhaupt bei ihren Zuhören stimmlich anzukommen.
Atmung
Neben der primären Aufgabe der Atmung, dem Gasaustausch,
wird der Ausatemstrom auch zur Stimmgebung
genutzt.
Atemtypen
Je nachdem welcher Körperabschnitt die stärkste Bewegung ausführt,
lassen sich folgende Atemtypen unterscheiden:
Schulteratmung
Brustatmung
Bauchatmung
Bauch-Zwerchfell-Flanken-Atmung (Mischatmung)
Der Brustkorb hebt und senkt sich natürlich bei allen Formen der
Atmung.
Beim Sprechen und in der Ruhe wird normalerweise die gemischte Bauch-Zwerchfell-Flanken-Atmung
(Mischatmung) eingesetzt. Sie gilt als physiologische Atemform, da bei
ihr alle möglichen Körperabschnitte zur Atmung genutzt werden
und eine gute Anpassung des Atemstroms an die Kehlkopffunktionen stattfinden
kann.
Die Schulteratmung, die sog. Hochatmung, ist die unökonomischste
Atemform und gilt daher als krankhaft (pathologisch).
Atemfrequenz
bei einem jungen Erwachsenen
im Stehen bei Körperruhe: ca.10 – 20 Atemzüge/min
bei einem entspannten Erwachsenen: ca. 4 – 6 Atemzüge/min
Neugeborenes: ca. 60 – 70 Atemzüge/min
Kind im 5. Lebensjahr: ca. 26 Atemzüge/min.
Atemarten
Neben diesen Atemtypen lassen sich noch zwei Atemarten unterscheiden:
Ruheatmung
Die Ruheatmung findet in Situationen ohne Belastung statt. Bei dieser
Atemart verläuft die Ausatmung passiv und die Ein- und Ausatemphase
ist etwa gleich lang. Es wird durch die Nase geatmet, und es dehnen sich
die Atemräume in Brust-, Bauch- und Flankenbereich aus.
Sprechatmung
Bei der Sprechatmung ist die Ausatemphase gegenüber der Einatemphase
stark verlängert. Geatmet wird mit geöffnetem Mund oder mit
Mund und Nase zugleich. Zudem ist die Ausatmung bei der Stimmatmung im
Gegensatz zur Ruheatmung ein aktiver Vorgang. Der Mensch steuert also
bewusst, wie viel Luft er während des Sprechens abgibt. Dabei ist
eine genaue Dosierung der Atemluft und der Stimmlippenspannung sehr wichtig,
um eine ökonomische Sprechweise zu erlangen.
Das Verhältnis von Ein- und Ausatmungsdauer bei Ruheatmung
und Sprechatmung
Ruheatmung: etwa 1 : 1,2
Sprechatmung: etwa 1 : 3 bis 4
Beim Singen: etwa 1 : 50
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